Welche Nebenleistungen erwarten Führungskräfte heute?


Welche Nebenleistungen erwarten Führungskräfte heute? Die kurze Antwort: ein Paket aus Mobilität, Altersversorgung, Entwicklung und Zeitsouveränität, in dem der Dienstwagen längst nicht mehr automatisch die erste Position besetzt. Das Gehalt bleibt der stärkste Einzelfaktor, entscheidet aber immer seltener allein. Laut KOFA Kompakt 1/2026 des Instituts der deutschen Wirtschaft nennen 95 Prozent der Beschäftigten die Vergütung als Motiv für eine Führungsaufgabe, dicht gefolgt von Gestaltungsspielraum mit 85 Prozent und Weiterbildungsmöglichkeiten mit 78 Prozent. Dieser Ratgeber zeigt, welche Nebenleistungen im Mittelstand tatsächlich Wirkung entfalten, welche nur Kosten verursachen und wie Sie ein Paket schnüren, das im Erstgespräch überzeugt.
Erwartet wird ein Paket aus vier Bausteinen: Mobilität, Altersversorgung, Entwicklung und Zeitsouveränität. Die Rangfolge hat sich verschoben. Laut KOFA Kompakt 1/2026 motiviert Vergütung 95 Prozent der Beschäftigten zu einer Führungsaufgabe, Gestaltungsspielraum aber bereits 85 Prozent und Weiterbildung 78 Prozent. Wer nur über Geld spricht, adressiert also die Hälfte der Entscheidung nicht.
Die Ausgangslage ist unbequem. Dieselbe Auswertung zeigt, dass sich nur 14 Prozent der Beschäftigten ohne Führungsverantwortung eine Führungsrolle klar vorstellen können, weitere 40 Prozent wären grundsätzlich bereit, aber nur unter bestimmten Bedingungen. Genau diese Bedingungen sind Nebenleistungen im weiteren Sinn: planbare Arbeitszeit, echte Entscheidungsbefugnis, Entwicklung.
Für die Einordnung des Gesamtpakets hilft ein Blick auf die Verdienstlage. Nach der Verdiensterhebung des Statistischen Bundesamts lag der mittlere Bruttojahresverdienst 2025 einschließlich Sonderzahlungen bei 54.066 Euro; die obersten 10 Prozent der Vollzeitbeschäftigten erreichten 100.719 Euro oder mehr. Führungspositionen im Mittelstand liegen typischerweise in diesem oberen Zehntel, was den Grenznutzen jedes weiteren Gehaltsschritts senkt und Nebenleistungen aufwertet.
Wie sich das Grundgehalt selbst strukturiert und welche Bandbreiten realistisch sind, schlüsselt unser Ratgeber Vergütung von Führungskräften im Mittelstand auf.
Beides zieht, aber für unterschiedliche Zielgruppen. Der Dienstwagen bleibt in Vertrieb, Produktion und bei hoher Reisetätigkeit ein harter Faktor; parallel gewinnt das Mobilitätsbudget schnell an Boden. Nach dem Arval Mobility Observatory 2025 haben 36 Prozent der Unternehmen in Deutschland ein Mobilitätsbudget eingeführt oder zählen es zu ihren wichtigsten Alternativen zum klassischen Dienstwagenmodell, gegenüber 28 Prozent im Jahr zuvor.
In der Praxis entscheidet der Zuschnitt der Rolle. Eine Vertriebsleitung mit 40.000 Jahreskilometern braucht ein Fahrzeug, keine Guthabenkarte. Eine kaufmännische Leitung mit zwei Standorten und Bahnanbindung profitiert häufig stärker von einem frei einsetzbaren Budget. Wer beides anbietet und die Wahl der Person überlässt, gewinnt zweimal: an Attraktivität und an Kostenkontrolle.
Ein Hinweis aus Verhandlungen: Der Dienstwagen ist oft weniger Sachleistung als Statussignal. Wird er gestrichen, sollte der Ersatz sichtbar bleiben, sonst wird er als Rückstufung gelesen. Wie stark solche Signale im Endspurt wirken, zeigt sich regelmäßig bei Gegenangeboten, die wir im Ratgeber Gegenangebot an eine Führungskraft beschreiben.
Sie ist Hygienefaktor und Differenzierungsmerkmal zugleich, je nach Betriebsgröße. Nach dem Alterssicherungsbericht 2024 des Bundesarbeitsministeriums hatten 2023 rund 18,1 Millionen Menschen eine Anwartschaft in der Ansparphase, das entspricht 51,9 Prozent aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die Spreizung ist erheblich: In Betrieben mit 1.000 und mehr Beschäftigten liegt der Anteil bei 86 Prozent, in Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten bei 25 Prozent.
Für den Mittelstand folgt daraus eine klare Botschaft. Wer gegen Konzerne um dieselbe Führungskraft konkurriert, tritt beim Thema Betriebsrente gegen ein etabliertes Angebot an. Ein Arbeitgeberzuschuss deutlich oberhalb des gesetzlichen Mindestzuschusses ist hier ein vergleichsweise günstiges Argument, weil er über Jahre wirkt und im Erstgespräch sofort verständlich ist.
Wichtig ist die Darstellung. Eine Zusage, die nur als Paragraf im Vertrag auftaucht, wird nicht wahrgenommen. Ein einseitiges Blatt mit Beitrag, Zuschuss und Hochrechnung macht aus derselben Leistung ein Argument. Denselben Effekt beobachten wir bei Berufsunfähigkeits- und Unfallabsicherung: hoher wahrgenommener Wert, überschaubare Kosten.
Weil sie mit 78 Prozent zu den drei wichtigsten Motiven für eine Führungsaufgabe zählt, in vielen Häusern aber ohne Ziel eingesetzt wird. Nach der IW-Weiterbildungserhebung investieren Unternehmen in Deutschland im Schnitt rund 1.347 Euro je Mitarbeitendem und rund 20 Stunden pro Jahr; 93 Prozent der Unternehmen bieten Weiterbildung an. Das Angebot ist also fast überall vorhanden, die Wirkung nicht.
Der Unterschied liegt in der Verbindlichkeit. Ein Seminarkatalog ist kein Entwicklungsangebot, ein schriftlicher Plan mit Terminen und Überprüfung schon. Wie sich aus einer strukturierten Einschätzung ein solcher Plan ableiten lässt, beschreibt unser Ratgeber vom Testergebnis zum Entwicklungsplan.
Der Effekt auf Bindung ist messbar. Der Gallup Engagement Index 2025 weist für Deutschland nur 10 Prozent hoch gebundene Beschäftigte aus; in Unternehmen, die aktiv in Führungsqualität investieren, liegt dieser Anteil bei rund 40 Prozent. Weiterbildung für Führungskräfte wirkt damit doppelt: auf die Person und auf deren Team. Weitere Ansatzpunkte sammelt unser Beitrag Mitarbeiterbindung bei Führungskräften.
Erwartet wird Zeitsouveränität, nicht weniger Arbeitszeit. Laut Statistischem Bundesamt arbeiteten 2025 rund 25 Prozent aller Erwerbstätigen zumindest gelegentlich von zu Hause, unter Führungskräften waren es rund 43 Prozent. Gleichzeitig arbeiteten 7 Prozent aller Vollzeiterwerbstätigen mindestens 49 Stunden pro Woche, ein Wert, der in Führungspositionen deutlich höher liegt.
Stepstone-Auswertungen zeigen dieselbe Richtung aus Sicht der Beschäftigten: Work-Life-Balance wurde erstmals wichtiger bewertet als das Gehalt (83 gegenüber 82 Prozent), rund 70 Prozent wünschen sich flexible Arbeitszeiten und wären dafür im Schnitt bereit, auf etwa 11 Prozent des Gehalts zu verzichten. Für Führungsrollen heißt das nicht Teilzeit, sondern Planbarkeit und Verfügungsgewalt über den eigenen Kalender.
Diese Punkte gehören ins Anforderungsprofil und nicht erst in die Vertragsverhandlung, weil sie den Kandidatenkreis mitbestimmen. Wie ein tragfähiges Profil aufgebaut ist, zeigt unser Ratgeber Anforderungsprofil für Führungskräfte.
Indem Sie drei Leistungen konsequent gut ausgestalten statt zwölf halbherzig. Ein langer Katalog wirkt beliebig und erzeugt trotzdem Kosten; drei durchdachte Bausteine erzeugen ein Profil. Welche drei es sind, ergibt sich aus Rolle, Standort und Lebensphase der Zielgruppe, nicht aus einer allgemeinen Liste.
Bewährt hat sich diese Reihenfolge im Erstgespräch: erst die Rolle und der Gestaltungsspielraum, dann das Grundgehalt und die variable Komponente, dann die Nebenleistungen als konkretes Paket mit Zahlen. Wer mit dem Obstkorb beginnt, entwertet den Rest. Nach unserer Erfahrung aus Suchmandaten scheitern Verhandlungen selten am Gesamtbudget, sondern an der Reihenfolge und an fehlender Verbindlichkeit.
Rechnen Sie das Paket außerdem einmal aus Sicht der Kandidatin oder des Kandidaten durch. Ein Mobilitätsbudget, ein Arbeitgeberzuschuss zur Altersversorgung und ein festes Entwicklungsbudget ergeben zusammen einen Betrag, der sich beziffern lässt. Genau diese Beziffung fehlt in den meisten Angeboten, obwohl sie den Vergleich mit dem Wettbewerb erst möglich macht. Wie sich daraus eine glaubwürdige Arbeitgeberpositionierung entwickelt, beschreibt unser Ratgeber Employer Branding im Mittelstand.
Und zuletzt: Nebenleistungen ersetzen keine schlechte Führungsstruktur. Wenn 40 Prozent der Beschäftigten laut KOFA nur unter bestimmten Bedingungen Führung übernehmen würden, sind diese Bedingungen in erster Linie organisatorisch. Ein gutes Paket macht eine attraktive Rolle sichtbar, es macht aus einer unattraktiven Rolle keine attraktive.
Nach KOFA Kompakt 1/2026 des Instituts der deutschen Wirtschaft zählen Vergütung (95 Prozent), Gestaltungsspielraum (85 Prozent) und Weiterbildungsmöglichkeiten (78 Prozent) zu den stärksten Motiven für eine Führungsaufgabe. Klassische Sachleistungen wie ein Dienstwagen wirken ergänzend, ersetzen aber weder Entscheidungsbefugnis noch eine planbare Arbeitszeit und tragen ein Angebot allein nicht.
Häufig ja, abhängig vom Zuschnitt der Rolle. Nach dem Arval Mobility Observatory 2025 haben 36 Prozent der Unternehmen ein Mobilitätsbudget eingeführt oder sehen es als wichtigste Alternative, nach 28 Prozent im Vorjahr. Bei hoher Reisetätigkeit bleibt das Fahrzeug überlegen, an urbanen Standorten überzeugt meist das Budget.
Rund 18,1 Millionen Menschen hatten 2023 eine Anwartschaft in der Ansparphase, das entspricht 51,9 Prozent der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten. Die Spanne ist groß: 86 Prozent in Betrieben ab 1.000 Beschäftigten gegenüber 25 Prozent in Betrieben mit weniger als zehn Beschäftigten (Alterssicherungsbericht 2024).
Laut IW-Weiterbildungserhebung im Schnitt rund 1.347 Euro je Mitarbeitendem und etwa 20 Stunden pro Jahr, 93 Prozent der Unternehmen bieten Weiterbildung an. Entscheidend für die Bindungswirkung ist nicht die Höhe, sondern ob die Maßnahmen an einen schriftlichen Entwicklungsplan mit Terminen gekoppelt sind.
In vielen Funktionen ja. Das Statistische Bundesamt weist für 2025 aus, dass rund 43 Prozent der Führungskräfte zumindest teilweise von zu Hause arbeiteten, gegenüber 25 Prozent aller Erwerbstätigen. Erwartet wird dabei weniger Abwesenheit als Planbarkeit und Verfügungsgewalt über den eigenen Kalender.
Drei konsequent ausgestaltete Leistungen wirken stärker als zwölf halbherzige, weil ein langer Katalog beliebig wirkt und trotzdem Kosten verursacht. Entscheidend ist, dass das Paket beziffert wird: Mobilitätsbudget, Arbeitgeberzuschuss zur Altersversorgung und ein festes Entwicklungsbudget ergeben zusammen einen konkreten Jahresbetrag, den Kandidatinnen und Kandidaten mit dem Wettbewerb vergleichen können.
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