Welche Kennzahlen braucht die Geschäftsführung wirklich?


Welche Kennzahlen braucht die Geschäftsführung wirklich? Eine kleine Auswahl: Liquidität, Ertrag, Auftragslage, Kundenbasis und Personal, jeweils mit klarer Definition, festem Rhythmus und einem Verantwortlichen. Manche mittelständischen Unternehmen sammeln mehr Auswertungen, als jemand liest, und stolpern trotzdem über die eine Zahl, die gefehlt hat. Dieser Ratgeber beschreibt ein schlankes Kennzahlencockpit für die Geschäftsführung, zeigt, wie oft welche Zahl angeschaut werden sollte, und nennt die Fehler, die Kennzahlen wertlos machen. Konkrete Grenzwerte geben wir bewusst nicht vor, weil sie von Branche, Geschäftsmodell und Finanzierung abhängen.
Wenige Kennzahlen reichen, weil eine Geschäftsführung nicht alles überwachen muss, sondern erkennen soll, wann sie eingreifen muss. Ein Cockpit mit zehn bis fünfzehn Zahlen lässt sich in überschaubarer Zeit besprechen. Ein Bericht mit fünfzig Zahlen kann überflogen werden, und die eine auffällige Abweichung geht unter.
Der Anlass ist ernst. Laut Destatis gab es 2025 insgesamt 24.064 Anträge auf Unternehmensinsolvenz, 10,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Schon 2023 und 2024 waren die Zahlen jeweils um mehr als 20 Prozent gestiegen. Das beweist keine Ursache im Einzelfall, zeigt aber, dass Finanzlage und Frühwarnung für Geschäftsführungen kein Nebenthema sind.
Eine gute Kennzahl beantwortet eine Entscheidungsfrage: Können wir die nächsten Monate bezahlen? Verdienen wir an den Aufträgen, die wir annehmen? Füllt sich der Auftragsbestand, oder leert er sich? Eine Zahl, aus der niemand eine Handlung ableiten kann, gehört nicht ins Cockpit, auch wenn sie sich leicht erheben lässt.
Wichtig ist außerdem die Abgrenzung. Dieser Beitrag betrachtet das Unternehmen als Ganzes. Wer nur den Vertrieb steuern will, findet im Ratgeber B2B-Vertriebs-KPIs die passende Auswahl, und für die Frage, woran sich Marketingerfolg ablesen lässt, den Beitrag Marketingerfolg messen im Mittelstand.
In das Cockpit gehören Kennzahlen aus fünf Feldern: Liquidität, Ertrag, Auftragslage, Kunden und Personal. Je Feld genügen zwei bis drei Zahlen. Die folgende Auswahl ist ein Vorschlag, den Sie auf Ihr Geschäftsmodell zuschneiden sollten.
Liquidität: Kommen wir durch die nächsten Monate? Hier zählt der Blick nach vorn. Die Liquiditätsvorschau über 13 Wochen zeigt, wann Zahlungseingänge und Ausgaben auseinanderlaufen. Ergänzend helfen der aktuelle Kontostand samt freier Kreditlinie und die Forderungsreichweite, also die durchschnittliche Zeit zwischen Rechnung und Zahlungseingang. Wer die Forderungsreichweite kennt, erkennt früh, wenn Kunden langsamer zahlen.
Ertrag: Verdienen wir an dem, was wir verkaufen? Umsatz allein sagt wenig. Aussagekräftiger sind der Rohertrag oder Deckungsbeitrag nach Produkt, Kunde oder Auftragsart und die Ergebnismarge. Wenn Aufträge wachsen, aber der Deckungsbeitrag je Auftrag sinkt, ist das ein Hinweis auf Preis- oder Kostenprobleme, den der Umsatz verdeckt.
Auftragslage: Wie sieht die nächste Zeit aus? Auftragseingang, Auftragsbestand und die Reichweite des Bestands in Wochen sind Frühindikatoren. Sie sinken in der Regel früher als Umsatz und Ergebnis. Im Vertrieb kommen die Zahl der Angebote und die Abschlussquote hinzu. Die Details dazu stehen im Vertriebs-Ratgeber, hier genügt je eine Zahl.
Kunden: Wie abhängig sind wir? Der Umsatzanteil der fünf größten Kunden zeigt Klumpenrisiken. Eine zweite Zahl ist die Wiederkaufs- oder Kündigungsquote, je nach Geschäftsmodell.
Personal: Haben wir die Leute, die wir brauchen? Fluktuation in Schlüsselfunktionen, offene Stellen mit ihrer Besetzungsdauer und der Anteil der Überstunden zeigen früh, wo die Kapazität knapp wird. Für Führungspositionen lohnt zusätzlich ein Blick auf die Vakanzzeit, denn jede unbesetzte Schlüsselposition kostet Steuerungsfähigkeit.
Zur Kapitalstruktur gehört eine Zahl, die man nur selten ansieht, aber kennen sollte: die Eigenkapitalquote. Laut KfW-Mittelstandspanel lag sie im Mittelstand 2024 im Durchschnitt bei 30,7 Prozent, und 28,4 Prozent der befragten Unternehmen hatten weniger als 10 Prozent. Ob Ihr Wert angemessen ist, hängt von Branche, Anlagenintensität und Finanzierung ab. Ein Vergleich mit dem Durchschnitt ersetzt keine eigene Bewertung.
Jede Kennzahl braucht einen festen Rhythmus, der zu ihrer Veränderungsgeschwindigkeit passt: Liquidität wöchentlich, Ertrag und Auftragslage monatlich, Kunden und Personal quartalsweise. Wer die Kontostandsentwicklung nur monatlich ansieht, kann Engpässe zu spät merken. Wer die Eigenkapitalquote wöchentlich ansieht, verschwendet Zeit.
Wichtig ist die Besprechungsform. Eine Kennzahl, die rot ist, löst eine Frage aus: Was ist die Ursache, wer klärt sie, bis wann? Ohne diese Folgefrage wird das Cockpit zur Berichtsroutine. Hilfreich ist eine einfache Ampel mit Schwellenwerten, die Sie selbst festlegen und einmal im Jahr überprüfen.
Zuverlässig werden Zahlen, wenn jede Kennzahl eine schriftliche Definition, eine feste Datenquelle und einen Verantwortlichen hat. Ein häufiger Streitpunkt in Besprechungen ist nicht die Zahl selbst, sondern die Frage, was sie bedeutet: Ist Umsatz der Auftragseingang, die Rechnungsstellung oder der Zahlungseingang?
Voraussetzung sind saubere Abläufe. Wo Aufträge, Rechnungen und Kundendaten an mehreren Stellen gepflegt werden, entstehen widersprüchliche Zahlen. Eine Prozesslandkarte hilft zu klären, wo die Daten entstehen und wer sie verantwortet.
Wertlos werden Kennzahlen vor allem durch Überfrachtung, fehlende Definitionen und fehlende Folgen. Typische Muster sind die folgenden.
Ein häufiger Auslöser für unpassende Kennzahlen ist eine unklare Rollenverteilung in der Führung. Wenn nicht feststeht, wer welche Zahl verantwortet, verteilen sich Aufgaben ungleich, wie der Beitrag Organisationsstruktur im Mittelstand beschreibt.
Externe Unterstützung lohnt sich, wenn intern niemand Zeit hat, Definitionen festzulegen, wenn die Geschäftsführung sich nicht auf eine Auswahl einigt oder wenn Datenquellen widersprüchlich sind. Außenstehende moderieren die Diskussion, welche Zahlen zählen, und können auf Lücken hinweisen, die im Tagesgeschäft nicht auffallen.
Die Leistung Strukturberatung kann hier unterstützen. Ein Cockpit lässt sich nur dann dauerhaft pflegen, wenn Zuständigkeiten und Abläufe dahinter geklärt sind. Welche Anzeichen darauf hindeuten, dass die Struktur der Engpass ist, beschreibt der Beitrag Strukturberatung: Ablauf.
Als Orientierung gelten zehn bis fünfzehn Kennzahlen aus fünf Feldern: Liquidität, Ertrag, Auftragslage, Kunden und Personal. Entscheidend ist nicht die Zahl, sondern dass sich die Geschäftsführung in überschaubarer Zeit ein Bild machen kann und jede Kennzahl eine Entscheidungsfrage beantwortet.
Aus unserer Sicht die Liquidität, weil Zahlungsunfähigkeit ein Unternehmen unmittelbar gefährden kann. Laut Destatis gab es 2025 mit 24.064 Anträgen auf Unternehmensinsolvenz 10,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Eine 13-Wochen-Liquiditätsvorschau zeigt Engpässe früh genug, um gegenzusteuern, etwa über Zahlungsziele oder Kreditlinien.
Spätindikatoren wie Umsatz und Ergebnis beschreiben, was war. Frühindikatoren wie Auftragseingang, Auftragsbestand, Angebotsquote und Liquiditätsvorschau zeigen, was kommt. Ein gutes Cockpit enthält beides: Frühindikatoren zum Eingreifen, Spätindikatoren zur Kontrolle, ob die Maßnahmen gewirkt haben.
Einen allgemeinen Sollwert gibt es nicht. Laut KfW-Mittelstandspanel lag der Durchschnitt 2024 bei 30,7 Prozent, 28,4 Prozent der Unternehmen hatten unter 10 Prozent. Maßgeblich sind Branche, Anlagenintensität und Finanzierung. Besprechen Sie Ihren Wert mit Steuerberater und Bank.
Als Richtwert passend zur Veränderungsgeschwindigkeit: Liquidität wöchentlich in rund 15 Minuten, Ertrag und Auftragslage monatlich in etwa einer Stunde, Kundenstruktur, Personal und Kapitalstruktur quartalsweise. Einmal im Jahr sollte die Auswahl selbst überprüft werden, damit das Cockpit zum Geschäft passt.
Nicht zwingend. Zum Start genügt eine Tabelle mit sauberen Definitionen, wenn die Daten aus Buchhaltung und Auftragsverwaltung kommen. Eine Software lohnt sich, sobald Zahlen manuell zusammengetragen werden und dadurch Fehler oder Verzögerungen entstehen. Klären Sie zuerst Definitionen und Verantwortung, dann das Werkzeug.
Sie möchten Ihr Kennzahlencockpit auf den Prüfstand stellen?
Im kostenlosen Erstgespräch klären wir, welche Zahlen für Ihre Entscheidungen fehlen, wo Zuständigkeiten unklar sind und wie sich ein schlankes Cockpit aufsetzen lässt. Wir sind gegründet 2019 und arbeiten von Düsseldorf und München aus.