Sanierungsfall: Interim Manager oder feste Besetzung?


Sanierungsfall: Interim Manager oder feste Besetzung? Die kurze Antwort lautet: Wer in den nächsten vier Wochen handlungsfähig sein muss, holt einen Interim Manager. Wer die Struktur danach dauerhaft tragen will, besetzt fest. Laut DDIM-Marktstudie 2026 entfallen 63 Prozent aller Interim Mandate auf die ersten beiden Führungsebenen, der durchschnittliche Tagessatz liegt bei 1.317 Euro. Gleichzeitig registrierte das Statistische Bundesamt von Januar bis Mai 2026 insgesamt 10.546 beantragte Unternehmensinsolvenzen, 4,9 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Der Druck steigt also, und mit ihm die Zahl der Führungsentscheidungen unter Zeitnot. Dieser Ratgeber stellt beide Wege entlang der vier Kriterien gegenüber, die in der Praxis den Ausschlag geben: Geschwindigkeit, Kosten, Akzeptanz und Verfügbarkeit.
Die Entscheidung hängt an einer einzigen Frage: Wie viel Zeit bleibt Ihnen? Ein erfahrener Interim Manager ist in der Regel binnen zwei bis vier Wochen im Unternehmen und beginnt mit der Analyse; eine feste Besetzung auf Geschäftsführungs- oder Bereichsleitungsebene dauert im Mittelstand realistisch 12 bis 18 Wochen bis zur Vertragsunterschrift, dazu kommt die Kündigungsfrist des Kandidaten. In einer akuten Liquiditätskrise ist diese Differenz nicht überbrückbar.
Vier Kriterien entscheiden in der Praxis. Sie lassen sich nüchtern gegenüberstellen, bevor Emotion und Zeitdruck die Wahl treffen:
Das letzte Kriterium wird regelmäßig unterschätzt. Wer mitten in einer öffentlich sichtbaren Schieflage sucht, hat einen deutlich kleineren Bewerberkreis. Grundlagen und Abgrenzung des Modells erklärt unser Beitrag Was ist Interim Management?.
Immer dann, wenn Tempo, Unabhängigkeit und Erfahrung mit vergleichbaren Fällen wichtiger sind als die langfristige Bindung. Der DDIM Interim Management Report 2025 zeigt, wie stark dieses Feld ist: Restrukturierung und Sanierung führen die Aufgabenfelder mit 13,7 Prozent an, Change Management ist mit 31,2 Prozent der häufigste Einsatzanlass, Krisenmanagement folgt mit 13,8 Prozent.
Der entscheidende Vorteil ist die Rollenklarheit. Ein Interim Manager kommt mit einem definierten Auftrag und einem definierten Ende. Er muss keine Rücksicht auf gewachsene Loyalitäten nehmen, keine internen Karrierepfade schonen und keine Beziehungen für die Zeit nach der Sanierung pflegen. Genau das macht ihn in den ersten Wochen so wirksam, in denen Zahlen offengelegt, Prozesse gestoppt und Entscheidungen nachgeholt werden müssen.
Typische Konstellationen, in denen die Interimslösung klar überlegen ist: Der Geschäftsführer ist kurzfristig ausgefallen oder wurde freigestellt, die Hausbank verlangt kurzfristig ein belastbares Sanierungskonzept, ein Sanierungsgutachten muss umgesetzt werden, oder das Unternehmen bereitet ein Verfahren in Eigenverwaltung vor. Wie eine Interimsbesetzung auf oberster Ebene funktioniert, beschreibt unser Ratgeber Interim Geschäftsführer im Detail.
Ein praktischer Punkt kommt hinzu: Verfügbarkeit. Laut DDIM sind rund 12.500 Interim Manager im deutschsprachigen Raum aktiv, die Auslastung lag 2025 bei 79 Prozent. Der Markt ist also besetzt, aber nicht ausgereizt. Für ein klar umrissenes Sanierungsmandat lassen sich in wenigen Tagen mehrere Profile mit einschlägigen Referenzen vorstellen.
Wenn die Krise strukturell und nicht akut ist, ist die feste Besetzung der bessere Weg. Sinkende Margen über mehrere Jahre, ein überholtes Geschäftsmodell oder ein Vertrieb, der seine Ziele dauerhaft verfehlt, lassen sich nicht in neun Monaten reparieren und danach übergeben. Solche Fälle brauchen eine Führungskraft, die den Umbau verantwortet und die Ergebnisse anschließend selbst einfährt.
Die zweite Konstellation für eine Festbesetzung: Die Sanierung ist im Kern eine Führungsfrage. Wenn Bindung, Motivation und Vertrauen im Team beschädigt sind, hilft ein befristeter Externer nur begrenzt. Der Gallup Engagement Index 2025 misst hier eine offene Flanke: Nur 10 Prozent der Beschäftigten in Deutschland fühlen sich ihrem Arbeitgeber wirklich emotional verbunden, 77 Prozent machen Dienst nach Vorschrift. Kulturarbeit dieser Größenordnung braucht Kontinuität.
Drittens spricht die Kostenlogik ab einer bestimmten Dauer für die feste Lösung. Wer absehbar 18 Monate oder länger eine Vollzeitführung braucht, zahlt beim Interim Modell deutlich mehr als bei einer Festanstellung. Der Bruch liegt erfahrungsgemäß zwischen dem neunten und dem zwölften Monat.
Was eine Festbesetzung im Sanierungsfall aber unbedingt braucht, ist ein sauberes Anforderungsprofil und ein diszipliniertes Auswahlverfahren. Der Preis eines Fehlgriffs ist in der Krise ungleich höher als im Normalbetrieb; wie hoch genau, rechnet unser Ratgeber Kosten einer Fehlbesetzung vor.
Der Interim Manager kostet laufend, die Festbesetzung einmalig plus Gehalt. Konkret: Laut DDIM-Marktstudie 2026 liegt der durchschnittliche Tagessatz bei 1.317 Euro. Bei etwa 20 Einsatztagen im Monat ergibt das rund 26.000 Euro monatlich, ohne Nebenkosten und ohne Arbeitgeberanteile, dafür aber ohne Abfindungsrisiko und ohne Kündigungsschutz. Bei einer festen Besetzung fällt marktüblich ein Beratungshonorar von 25 bis 33 Prozent des Jahreszielgehalts an, der Branchendurchschnitt lag laut BDU zuletzt bei 27,5 Prozent.
Ein Rechenbeispiel macht den Unterschied greifbar. Für eine Position mit 180.000 Euro Jahreszielgehalt kostet die Suche rund 49.500 Euro einmalig, dazu das laufende Gehalt. Ein Interim Mandat über sechs Monate liegt bei etwa 156.000 Euro, endet dann aber vollständig. Bis ungefähr zum neunten Monat ist die Interimslösung damit die günstigere Variante; danach dreht sich das Bild.
Die reine Tagessatzrechnung greift allerdings zu kurz. Gegenzurechnen sind auf der Interimsseite der Wegfall von Einarbeitungszeit und Rekrutierungsrisiko, auf der Festbesetzungsseite die Zeit ohne Führung. Jede Woche ohne handlungsfähige Leitung kostet in einem Sanierungsfall Liquidität, Kundenvertrauen und Verhandlungsspielraum gegenüber Banken. Eine detaillierte Aufschlüsselung der Interimskosten inklusive Nebenkosten finden Sie im Ratgeber Was kostet ein Interim Manager?.
Banken und Gesellschafter werten die schnelle Interimsbesetzung meist positiv, die Belegschaft zunächst skeptisch. Für Kapitalgeber ist ein erfahrener Sanierer mit belegbaren Referenzen ein Signal, dass die Lage ernst genommen wird und ab sofort jemand mit Erfahrung am Steuer sitzt. In Gesprächen über Stundung, Prolongation oder frisches Kapital ist das ein handfestes Argument.
Im Team wirkt dieselbe Besetzung anders. Ein Externer auf Zeit steht für Einschnitte, und die Mitarbeiter wissen, dass er nach dem Mandat wieder geht. Das kann die Sache erleichtern, weil unpopuläre Entscheidungen nicht dauerhaft an einer Person haften bleiben. Es kann sie aber auch erschweren, wenn Führungskräfte auf Zeit spielen, statt mitzuarbeiten.
Entscheidend ist deshalb die Kommunikation zum Start: Wer den Auftrag, die Dauer und das Ziel des Mandats offen benennt, nimmt der Gerüchteküche die Grundlage. Welche Muster dabei tragen und welche nicht, zeigt unser Beitrag Change Management im Mittelstand.
Ein Detail aus der Mandatspraxis: Die Akzeptanz steigt deutlich, wenn früh klar ist, wer nach dem Interim Mandat übernimmt. Sobald die Nachfolge feststeht, verwandelt sich der Sanierer vom Fremdkörper in eine Übergangslösung mit Perspektive.
In der Praxis ist die Kombination der Regelfall, nicht die Ausnahme: Der Interim Manager stabilisiert, während parallel die feste Besetzung gesucht wird. Das löst den zentralen Zielkonflikt, weil die Sofortmaßnahmen nicht auf die Besetzungsdauer von 12 bis 18 Wochen warten müssen und die dauerhafte Auswahl trotzdem gründlich bleibt.
Wichtig ist eine saubere Rollentrennung: Der Interim Manager sollte an der Auswahl seiner Nachfolge beteiligt sein, aber nicht allein entscheiden. Worauf Sie bei der Auswahl des Interim Managers selbst achten sollten, fasst der Ratgeber Interim Manager auswählen zusammen. Wie sich eine Vakanz auf Führungsebene generell überbrücken lässt, zeigt unser Beitrag Vakanz überbrücken.
Dieselbe Kombinationslogik gilt übrigens nicht nur in der Krise. Auch beim Aufbau einer neuen Einheit trägt sie, wie unser Ratgeber Wer führt einen neuen Standort? zeigt.
In der Regel innerhalb von zwei bis vier Wochen, in dringenden Fällen auch schneller. Laut DDIM sind rund 12.500 Interim Manager im deutschsprachigen Raum aktiv, die Auslastung lag 2025 bei 79 Prozent. Für ein klar umrissenes Sanierungsmandat lassen sich meist binnen weniger Tage passende Profile vorstellen.
Der durchschnittliche Tagessatz liegt laut DDIM-Marktstudie 2026 bei 1.317 Euro. Bei rund 20 Einsatztagen entspricht das etwa 26.000 Euro im Monat, zuzüglich Reise und Unterkunft. Sanierungsmandate liegen häufig über dem Durchschnitt, weil Erfahrung mit Krisenlagen und Bankverhandlungen eingepreist wird. Dafür entfallen Abfindungsrisiko und Kündigungsschutz vollständig.
Der Kostenvergleich dreht sich erfahrungsgemäß zwischen dem neunten und zwölften Monat. Bei 180.000 Euro Jahreszielgehalt kostet eine Suche rund 49.500 Euro einmalig, ein sechsmonatiges Interim Mandat dagegen etwa 156.000 Euro. Ab etwa 18 Monaten Bedarf ist die Festanstellung deutlich günstiger.
Im Mittelstand sind 12 bis 18 Wochen von der Auftragsklärung bis zur Vertragsunterschrift realistisch, dazu kommt die Kündigungsfrist des Kandidaten. Die Direktansprache erreicht laut BDU 94 Prozent Marktanteil, weil geeignete Führungskräfte fest im Job stehen und auf Stellenanzeigen nicht reagieren.
Ja, aber der Kreis ist kleiner und die Ansprache muss ehrlicher sein. Wer die Lage offen darstellt und ein belastbares Sanierungskonzept vorlegt, gewinnt genau die Kandidaten, die Restrukturierung als Chance sehen. Laut DDIM entfallen 63 Prozent der Interim Mandate auf die ersten beiden Führungsebenen.
Das kommt vor, ist aber die Ausnahme und sollte vertraglich vorab geregelt sein. Die meisten Interim Manager haben sich bewusst für dieses Modell entschieden. Sinnvoller ist die Überlappung: Vier bis sechs Wochen gemeinsame Übergabephase, in der der Interim Manager die feste Nachfolge einführt.
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