Wie überbrücken wir eine plötzliche Vakanz in der Führung?


Der Vertriebsleiter kündigt, die Personalleiterin fällt langfristig aus, der Geschäftsführer scheidet kurzfristig aus: Eine Führungsposition ist von einem Tag auf den anderen offen, und die Nachbesetzung braucht Monate. Die kurze Antwort auf die Überbrückungsfrage lautet: Es gibt drei Wege, und sie schließen sich nicht aus. Kommissarische Leitung aus den eigenen Reihen, ein externer Interim Manager oder eine konsequent beschleunigte reguläre Suche. Welcher Weg trägt, hängt an vier Faktoren: Dauer der Lücke, Kritikalität der Rolle, Reife Ihrer zweiten Ebene und Budget. Laut BDU-Marktstudie dauerte eine Besetzung 2024 im Schnitt knapp 14 Wochen, im Mittelstand kalkulieren wir realistisch mit 12 bis 18 Wochen. Diese Zeit müssen Sie organisieren, nicht aussitzen. Dieser Ratgeber vergleicht die drei Optionen ehrlich nach Kosten, Risiko und Wirkung und zeigt, welche Entscheidungen in den ersten 14 Tagen fallen sollten.
Sie überbrücken eine Führungsvakanz über einen von drei Wegen: kommissarische Leitung intern, externes Interim Management oder eine beschleunigte reguläre Nachbesetzung. In der Praxis kombinieren die meisten Unternehmen: Eine interne Person übernimmt die laufenden Entscheidungen, während die Suche startet, oder ein Interim Manager hält die Funktion, bis die dauerhafte Besetzung unterschrieben ist.
Der Grund für die Überbrückung ist schlicht Zeit. Laut BDU-Marktstudie Personalberatung dauerte eine Besetzung 2024 im Schnitt knapp 14 Wochen; im Mittelstand rechnen wir mit 12 bis 18 Wochen bis zur Vertragsunterschrift. Dazu kommt die Kündigungsfrist des neuen Stelleninhabers, auf Führungsebene häufig drei bis sechs Monate zum Quartalsende. Zwischen Kündigung und tatsächlichem Arbeitsbeginn liegen damit realistisch sechs bis neun Monate. Wie sich diese Zeitschiene im Detail zusammensetzt, zeigt unser Ratgeber Wie lange dauert eine Führungskräftesuche?.
Vor der Entscheidung für einen Weg stehen vier Fragen: Wie lange ist die Lücke voraussichtlich offen? Wie kritisch ist die Rolle für Umsatz, Produktion oder Compliance? Gibt es eine belastbare zweite Ebene, die einspringen kann? Und welches Budget steht für die Überbrückung bereit? Wer diese vier Punkte in der ersten Woche beantwortet, entscheidet danach schnell und ohne Bauchgefühl.
Die kommissarische Leitung ist der schnellste und günstigste Weg: Eine vorhandene Führungskraft oder ein erfahrener Mitarbeiter übernimmt die Funktion zusätzlich, meist mit einer Zulage und einer befristeten Vereinbarung. Sie funktioniert gut, wenn die Lücke absehbar kurz ist, das Team stabil arbeitet und die Rolle vor allem Kontinuität statt Veränderung braucht.
Die Grenzen zeigen sich schnell. Eine kommissarische Leitung trägt zwei Jobs gleichzeitig, und in der Regel leidet der eigene. Kritisch wird es, wenn die Übergangsphase unbefristet bleibt: Der Vertreter hat Verantwortung ohne echtes Mandat, kann unpopuläre Entscheidungen kaum durchsetzen und wird vom Team weder als Chef noch als Kollege eingeordnet. Genau daraus entstehen Fluktuationsrisiken auf einer Ebene, die Sie eigentlich halten wollen.
Drei Regeln machen die kommissarische Lösung tragfähig: eine schriftliche Befristung mit Enddatum, ein klar benannter Entscheidungsrahmen inklusive dessen, was ausdrücklich nicht in der Übergangszeit entschieden wird, und eine faire Vergütung des Mehraufwands. Klären Sie außerdem offen, ob die Person Kandidat für die dauerhafte Besetzung ist. Wer monatelang die Arbeit macht und dann kommentarlos übergangen wird, kündigt oft kurz nach dem Amtsantritt der neuen Führungskraft.
Sinnvoll ist die interne Lösung vor allem dort, wo eine belastbare zweite Führungsebene existiert. Fehlt sie, ist die Vakanz nur das Symptom eines Strukturproblems, das der Ratgeber Zweite Führungsebene aufbauen behandelt.
Ein Interim Manager lohnt sich, wenn die Lücke mindestens drei Monate dauert, die Rolle geschäftskritisch ist und intern niemand einspringen kann, ohne an anderer Stelle ein Loch zu reißen. Der Marktpreis ist bekannt: Laut DDIM-Marktstudie 2026 liegt der prognostizierte durchschnittliche Tagessatz 2026 bei 1.317 Euro, das Marktvolumen bei rund 2,7 Milliarden Euro, und am Markt sind etwa 12.500 Interim Manager aktiv.
Der eigentliche Vorteil ist nicht die Geschwindigkeit allein, sondern die Unabhängigkeit. Ein Interim Manager hat keine Karriereambitionen im Haus, keine Historie mit dem Team und keine Rücksicht auf gewachsene Konstellationen. Er trifft überfällige Entscheidungen, die intern seit Jahren vermieden werden, und geht danach wieder. Bei Restrukturierungen, nach einem konfliktbehafteten Abgang oder in einer Sanierungsphase ist das oft der entscheidende Punkt.
Die Kosten wirken auf den ersten Blick hoch, relativieren sich aber im Vergleich: Ein Tagessatz von 1.317 Euro entspricht bei rund 18 Einsatztagen im Monat etwa 23.700 Euro monatlich, dafür fallen keine Lohnnebenkosten, keine Abfindungsrisiken und keine langfristige Bindung an. Die vollständige Rechnung inklusive Vergleich zur Festanstellung steht im Ratgeber Was kostet ein Interim Manager?. Woran Sie einen wirklich guten Kandidaten erkennen, zeigt Woran erkennen wir einen guten Interim Manager?.
Für die oberste Ebene gelten Sonderregeln, etwa bei Vertretungsbefugnis und Handelsregistereintrag. Diese Fragen klärt unser Beitrag Brauchen wir einen Interim Geschäftsführer?; eine Rechtsberatung ersetzt er nicht.
Deutlich schneller, als die meisten Unternehmen glauben, aber selten schneller als zwölf Wochen. Die Direktansprache erreicht laut BDU einen Marktanteil von 94 Prozent, weil qualifizierte Führungskräfte kaum auf Anzeigen reagieren. Zum Vergleich der Gesamtmarkt: Stellen für akademische Fachleute waren 2025 im Schnitt 95 Tage unbesetzt, Stellen für Fachkräfte mit Berufsausbildung 140 Tage; die Zahlen stammen aus der Statistik der Bundesagentur für Arbeit.
Der größte Hebel liegt nicht beim Berater, sondern bei Ihnen. Die BDU-Studie benennt längere Entscheidungsprozesse auf Unternehmensseite als zentralen Zeitfresser. Wer Interview-Slots vorab blockt, binnen 48 Stunden Feedback gibt und das Entscheidergremium auf zwei bis drei Personen begrenzt, verkürzt eine Suche regelmäßig um mehrere Wochen.
Wichtig ist die Reihenfolge: Die Suche startet sofort, nicht erst nachdem die Übergangslösung steht. Jede Woche, die Sie mit der Organisation der Überbrückung verbringen, verlängert die Vakanz am hinteren Ende.
Die drei Wege unterscheiden sich weniger im Preis als im Risikoprofil. Die kommissarische Leitung ist im Budget am günstigsten und im Personalrisiko am teuersten; das Interim Management dreht dieses Verhältnis um. Ein nüchterner Vergleich hilft mehr als jede Faustregel.
Eine Faustregel aus unserer Mandatspraxis: Bis drei Monate intern lösen, ab drei Monaten und bei geschäftskritischer Funktion extern überbrücken, in jedem Fall die reguläre Suche sofort starten. Unter Zeitdruck steigt das Risiko einer Fehlbesetzung deutlich, deshalb sollte die Überbrückung den Druck aus der Auswahlentscheidung nehmen und nicht erhöhen.
In den ersten beiden Wochen entscheidet sich, ob aus einer Vakanz ein geordneter Übergang oder ein schleichender Kontrollverlust wird. Fünf Schritte haben sich bewährt und lassen sich unabhängig von der gewählten Option sofort umsetzen.
Und danach: Nutzen Sie die Vakanz als Anlass, den Zuschnitt der Rolle zu prüfen. Häufig zeigt eine Übergangsphase, dass Aufgaben besser verteilt gehören oder eine Ebene fehlt. Wer diesen Befund ernst nimmt, verhindert die nächste Notlage. Wie ein solcher Umbau aussieht, beschreibt unser Ratgeber Strukturberatung im Mittelstand: 7 Signale.
Realistisch 12 bis 18 Wochen von der Auftragsklärung bis zur Vertragsunterschrift; laut BDU-Marktstudie lag die Besetzungsdauer 2024 bei knapp 14 Wochen. Hinzu kommt die Kündigungsfrist des neuen Stelleninhabers, auf Führungsebene häufig drei bis sechs Monate. Planen Sie insgesamt sechs bis neun Monate bis zum Arbeitsbeginn ein.
Als Faustregel ab einer Überbrückung von drei Monaten, bei geschäftskritischen Funktionen auch früher. Der prognostizierte Tagessatz liegt 2026 laut DDIM-Marktstudie im Schnitt bei 1.317 Euro. Entscheidend ist, ob intern jemand einspringen kann, ohne dass an anderer Stelle eine neue Lücke entsteht.
Marktüblich ist eine befristete Zulage von 10 bis 25 Prozent des Grundgehalts, abhängig von Umfang und Dauer der Zusatzverantwortung. Die eigentlichen Kosten liegen woanders: in der Überlastung des Vertreters, in verschleppten Entscheidungen und im Risiko, dass die Person nach der Übergangszeit selbst kündigt.
Kommunizieren Sie aktiv und früh, am besten innerhalb der ersten Tage. Team, Kunden und Lieferanten erfahren die Regelung sonst über den Flurfunk, und diese Unsicherheit kostet Leistung. Ein kurzer Hinweis genügt: wer übergangsweise verantwortet, welche Entscheidungen wo landen und dass die dauerhafte Nachbesetzung bereits gestartet ist.
Möglich und oft sinnvoll, aber nur mit klarer Ansage. Sagen Sie offen, ob die Person Kandidatin für die Dauerlösung ist und woran die Entscheidung hängt. Ein objektiver Abgleich über Eignungsdiagnostik schützt vor Bauchentscheidungen: Strukturierte Verfahren erreichen laut Sackett et al. 2022 eine deutlich höhere Vorhersagekraft als freie Gespräche.
Die Suche erst dann zu starten, wenn die Übergangslösung steht. Damit verschieben Sie das Ende der Vakanz um mehrere Wochen nach hinten. Der zweithäufigste Fehler ist die unbefristete kommissarische Leitung ohne Enddatum, weil sie den Vertreter dauerhaft zwischen zwei Rollen hängen lässt.
Eine Führungsposition ist kurzfristig offen?
Wir klären in einem unverbindlichen Erstgespräch, welche der drei Optionen für Ihre Situation trägt, und starten auf Wunsch Überbrückung und Nachbesetzung parallel. Inhabergeführt, gegründet 2019, Standorte Düsseldorf und München.