Wie gewinnen mittelständische Unternehmen mehr Frauen für Führungspositionen?


Wie gewinnen mittelständische Unternehmen mehr Frauen für Führungspositionen? Die kurze Antwort: über die Besetzungspraxis, nicht über Bekenntnisse. Drei Stellschrauben entscheiden, und alle drei liegen im eigenen Haus: ein Anforderungsprofil, das echte Muss-Kriterien von gewachsenen Gewohnheiten trennt, eine aktive Ansprache statt der Hoffnung auf Bewerbungen, und Arbeitszeitmodelle, die auch auf Führungsebene gelten. Der Handlungsdruck ist messbar: Laut Statistischem Bundesamt waren 2024 nur 29,1 Prozent der Führungskräfte in Deutschland Frauen, im EU-Durchschnitt sind es 35,2 Prozent. Dieser Ratgeber zeigt, wo die Lücke tatsächlich entsteht und welche Schritte im Mittelstand kurzfristig etwas bewegen.
2024 lag der Frauenanteil an Führungskräften in Deutschland bei 29,1 Prozent. Das Statistische Bundesamt hat diesen Wert am 3. November 2025 veröffentlicht und dazu eingeordnet, dass er sich seit 2014 praktisch nicht verändert hat: damals 29,0 Prozent, zehn Jahre später 29,1 Prozent. Der EU-Durchschnitt stieg im selben Zeitraum um 3,4 Punkte auf 35,2 Prozent. Deutschland ist also nicht langsamer geworden, sondern stehen geblieben, während andere sich bewegt haben.
Die Zahl wirkt noch schärfer, wenn man sie neben den Erwerbstätigenanteil legt: Frauen stellen 46,9 Prozent der Erwerbstätigen in Deutschland, leicht über dem EU-Wert. Der Unterschied entsteht also nicht am Arbeitsmarkt, sondern beim Aufstieg. Österreich zeigt bei vergleichbarer Erwerbsbeteiligung einen Führungsanteil von 36,2 Prozent.
Für den Mittelstand ist die Aufteilung nach Ebenen aussagekräftiger als der Gesamtwert. Das IAB-Betriebspanel, eine jährliche Befragung von rund 15.000 Betrieben, weist für die Privatwirtschaft 28 Prozent Frauenanteil auf der obersten und 41 Prozent auf der zweiten Führungsebene aus. Anders gesagt: Die Pipeline ist gefüllt. Sie wird nur an der letzten Stufe nicht genutzt.
Weil Spitzenpositionen selten ausgeschrieben werden und der Weg dorthin über Netzwerke läuft, die historisch männlich geprägt sind. Das IAB nennt neben intransparenten Besetzungsverfahren ausdrücklich den fehlenden Zugang zu diesen Netzwerken und Geschlechterstereotype als Ursachen. Wie groß dieser unsichtbare Markt ist, beschreibt unser Ratgeber verdeckter Stellenmarkt: Ein erheblicher Teil der Führungspositionen wird besetzt, bevor überhaupt jemand davon erfährt.
Dazu kommen Auswahlfehler, die im Alltag niemandem auffallen. Wer Kandidaten überwiegend am Bauchgefühl misst, bevorzugt systematisch die Lebensläufe, die dem eigenen ähneln. Welche Verzerrungen dabei regelmäßig auftreten und wie strukturierte Verfahren gegensteuern, zeigt unser Beitrag zu Beurteilungsfehlern in der Personalauswahl.
Die Branchenunterschiede belegen, dass es sich nicht um ein Naturgesetz handelt. In Finanz- und Versicherungsdienstleistungen stellen Frauen über die Hälfte der Beschäftigten, besetzen aber nur 16 Prozent der obersten Positionen. Im Gesundheits- und Sozialwesen sowie in der Bildung liegen die Anteile deutlich höher. Wo unterschiedliche Ergebnisse bei ähnlicher Ausgangslage entstehen, liegt es am Verfahren, nicht am Bewerberfeld.
Indem Sie jedes Kriterium auf die Frage zurückführen, was die Person in den ersten zwölf Monaten erreichen muss. Alles, was diese Frage nicht beantwortet, ist ein Filter ohne Nutzen. In der Praxis sind es vor allem drei Formulierungen, die den Bewerberkreis unnötig verengen: eine feste Mindestanzahl an Führungsjahren, eine geforderte Branchenherkunft und die stillschweigende Erwartung uneingeschränkter Reisebereitschaft.
Wie ein belastbares Profil aufgebaut wird, welche vier Fragen es beantworten muss und wie Sie die Anforderungen mit dem Gesellschafterkreis abstimmen, haben wir im Ratgeber Anforderungsprofil für Führungskräfte Schritt für Schritt beschrieben.
Über gezielte Direktansprache statt über Stellenanzeigen. Auf Führungsebene ist die Direktansprache laut BDU-Marktstudie Personalberatung das dominierende Verfahren, und sie erreicht genau die Gruppe, die nicht aktiv sucht. Für die Gewinnung von Frauen in Führungspositionen ist das der entscheidende Punkt: Wer auf der zweiten Ebene erfolgreich arbeitet, schaut selten Stellenportale durch.
Bei der Ansprache selbst zählt Konkretheit. Eine Nachricht, die Verantwortungsumfang, Entscheidungsspielraum und die tatsächliche Erwartung an Präsenz benennt, erzeugt mehr Gespräche als eine, die mit Kulturversprechen arbeitet. Das gilt für alle Angesprochenen, wirkt aber dort am stärksten, wo Interessentinnen bisher unklare Rahmenbedingungen als Risiko bewerten mussten.
Ebenso zählt, was Angesprochene finden, wenn sie Ihr Unternehmen recherchieren. Ein Karrierebereich, der ausschließlich Männer auf Führungsebene zeigt, beantwortet eine Frage, bevor sie gestellt wird. Welche Signale im Mittelstand wirken und welche als Floskel durchschaut werden, behandelt unser Ratgeber Employer Branding im Mittelstand. Wenn Sie den gesamten Suchprozess strukturiert aufsetzen wollen, finden Sie die einzelnen Schritte unter Suche und Auswahl.
Eine größere, als die meisten Stellenausschreibungen abbilden. Laut IAB ermöglichen nur 23 Prozent der privatwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland Führung in Teilzeit, sieben Punkte mehr als 2014. Knapp drei Viertel dieser Teilzeitführungspositionen sind von Frauen besetzt. Wer das Modell nicht anbietet, schließt einen Teil des Kandidatenkreises aus, ohne es zu merken.
Der Zusammenhang zur Erwerbsrealität ist eindeutig. 2025 arbeiteten laut Statistischem Bundesamt 50,6 Prozent der abhängig beschäftigten Frauen in Teilzeit gegenüber 14,3 Prozent der Männer. Bei Müttern mit Kindern unter 18 Jahren sind es 66,4 Prozent, bei Vätern 8,6 Prozent. Eine Führungsrolle, die nur in Vollzeit denkbar ist, trifft damit eine Vorauswahl, die mit Eignung nichts zu tun hat.
Praktisch heißt das nicht, jede Position zu halbieren. Es heißt, die Rolle so zu schneiden, dass sie tragfähig bleibt: klare Vertretungsregelung, feste Entscheidungsfenster, eine realistische Führungsspanne. Auch das übrige Paket zahlt darauf ein, von Mobilitätsbudget bis Weiterbildung. Was Führungskräfte heute tatsächlich erwarten, zeigt unser Beitrag zu Nebenleistungen für Führungskräfte.
Der schnellste Weg zu mehr Frauen in Führung führt meist nicht über den externen Markt, sondern über die eigene zweite Ebene. Dort liegt der Frauenanteil laut IAB bei 41 Prozent. Diese Fachkräfte kennen Produkt, Kunden und Abläufe bereits. Was ihnen häufig fehlt, ist nicht Kompetenz, sondern ein sichtbarer Weg nach oben.
Damit interne Förderung nicht zur Geschmacksfrage wird, braucht sie ein nachvollziehbares Verfahren. Strukturierte Potenzialbewertung trennt Leistung in der aktuellen Rolle von Eignung für die nächste, eine Unterscheidung, die im Alltag regelmäßig verschwimmt. Wie das methodisch funktioniert, beschreibt unser Ratgeber Potenzialträger erkennen. Wenn die gesamte Führungsmannschaft auf den Prüfstand soll, etwa vor einer Nachfolge oder Umstrukturierung, ist das Management Audit das passende Instrument.
Bleibt die Frage, wann intern besetzt und wann extern gesucht wird. Beide Wege haben belegbare Vor- und Nachteile, die wir in intern befördern oder extern besetzen gegenübergestellt haben. Eine Empfehlung lässt sich unabhängig davon geben: Wer die zweite Ebene systematisch entwickelt, hat bei der nächsten Vakanz überhaupt eine Wahl. Der Aufbau dieser Ebene ist Thema unseres Ratgebers zweite Führungsebene aufbauen.
Der wirtschaftliche Rahmen macht das Thema dringlicher. Laut IW-Auswertung für 2025 konnten rund 369.500 offene Stellen rechnerisch nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden. In diesem Markt auf ein Drittel der qualifizierten Bevölkerung zu verzichten, ist keine Haltungsfrage mehr, sondern ein Besetzungsproblem.
Laut Statistischem Bundesamt lag er 2024 bei 29,1 Prozent, im EU-Durchschnitt bei 35,2 Prozent. Seit 2014 hat sich der deutsche Wert um lediglich 0,1 Prozentpunkte verändert, während der EU-Schnitt um 3,4 Punkte gestiegen ist. Spitzenreiter ist Schweden mit 44,4 Prozent.
Das IAB nennt drei Hauptursachen: intransparente Besetzungsverfahren, fehlenden Zugang zu den entscheidenden Netzwerken und Geschlechterstereotype. Auf der zweiten Führungsebene liegt der Frauenanteil in der Privatwirtschaft bei 41 Prozent, auf der ersten nur bei 28 Prozent. Die Lücke entsteht also beim Aufstieg.
Vor allem drei: eine feste Mindestzahl an Führungsjahren, eine zwingend geforderte Branchenherkunft und die unausgesprochene Erwartung voller Präsenz. Keines dieser Kriterien sagt zuverlässig Führungserfolg voraus. Ersetzen Sie sie durch die Frage, was die Person in den ersten zwölf Monaten konkret erreichen muss, und leiten Sie daraus die Muss-Kriterien ab.
Sie ist möglich, aber selten: Nur 23 Prozent der privatwirtschaftlichen Betriebe bieten Führung in Teilzeit an, laut IAB sieben Punkte mehr als 2014. Knapp drei Viertel dieser Positionen sind von Frauen besetzt. Voraussetzung sind klare Vertretungsregelungen, feste Entscheidungsfenster und eine realistische Führungsspanne statt einer einfach halbierten Vollzeitrolle.
Häufig ja, weil der Frauenanteil auf der zweiten Führungsebene mit 41 Prozent deutlich höher liegt als auf der ersten. Interne Kandidatinnen kennen Produkt und Abläufe bereits. Nötig ist ein strukturiertes Verfahren, das Leistung in der aktuellen Rolle von Eignung für die nächste trennt.
Über Direktansprache, auf Führungsebene laut BDU das dominierende Verfahren. Wer auf der zweiten Ebene erfolgreich arbeitet, sucht selten aktiv und liest keine Stellenportale. Wirksam sind Nachrichten, die Verantwortungsumfang, Entscheidungsspielraum und die tatsächliche Präsenzerwartung konkret benennen. Allgemeine Kulturversprechen erzeugen deutlich weniger Rückmeldungen als überprüfbare Angaben zur Rolle.
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